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Oeschinen, Sektor Fründschnuer

Tricolore: 1. Seillänge von KIK

Die Felsen hinten am Oeschinensee bieten schöne, anspruchsvolle, alpine Sportkletterei direkt über dem tiefblauen Oeschinensee. KIK, die längste Route im Gebiet, startet unten beim See und endet unterhalb der Oberen Fründschnuer. Im 2010 wurden nördlich von der KIK vier Sportkletterrouten eröffnet, die von der Unteren Fründschnuer aus starten. Die Routen sind angeschrieben.
Die Sonne scheint bis Ende Oktober ungefähr von 12-18 Uhr (Sommerzeit). Beinahe von einem Tag auf den andern schafft es die Sonne nicht mehr über den Grat und es gibt überhaupt keine Sonne mehr im Gebiet. Die Saison startet ab März. Zu dieser Zeit herrschen allerdings noch gewisse Gefahren (Eisschlag, Lawinen), denen man aber gut ausweichen kann.
Der Abstieg nach Kandersteg geht am besten mit einem Mountainbike oder am Frühling mit den Skis. Die Oeschinenbahn transportiert Bikes jeweils in der ersten und letzten halben Stunde der Betriebszeiten. Bitte nehmt Rücksicht auf die Wanderer, damit diese für die Kletterer vorteilhafte Regelung bestehen bleibt.
Übrigens gibt's auf dem Zugang zur unteren Fründschnur noch einen kleinen Klettergarten von Hannes Grossen mit einigen schönen Routen. Topos siehe Führer Extrem West vom Filidor Verlag.

KIK
Markus Stofer, Peter von Känel, Herbst 2008
Die schon im unteren Teil grösstenteils gute Felsqualität wird oberhalb der Fründschnuer noch besser. Die schwierigste Länge von 'KIK' ist gleich die Erste mit einem kurzen, kniffligen Quergang (ca. 6c/6c+ obl.). Evtl. empfiehlt es sich, beim Abseilen den obersten BH der ersten Länge zu zu verlängern, dass die Stelle notfalls a0 überwunden werden kann. Bezüglich Schwierigkeit ist die Route ansonsten sehr homogen; über weite Strecken klettert man in 6b-6c Gelände. Mit 11 Seillängen ist es eine der längsten alpinen Sportkletterrouten in der Umgebung (mal abgesehen von der 'Doldorphin' am Doldenhorn). Bezüglich Absicherung ist die Route gut und solide, aber man muss zwischendurch schon etwas über die Haken klettern und es hat einige knackige, zwingende Passagen.
Normalerweise seilt man von der Fründschnuer zum Einstieg ab. Alternativ erreicht man den Einstieg auch dem See entlang. Dieser Zugang bietet sich vor allem vom Frühjahr bei tiefem Wasserstand an.
Für die Durchsteigung der gesamten Route sollte man 6-8 Stunden einplanen.

Topo KIK
Erfahrungsbericht von Marcel Dettling auf hikr.org (nicht mehr ganz aktuell, 2 Stellen wurden inzwischen entschärft)
Bilder zur Route


Fin
Peter von Känel, Bernd Rathmayr, September 2010
Nach trostlos brüchigen ersten drei Metern führt die Route in bestem Fels entlang einer kühnen Linie über einen finnenartigen Felskeil durch das erste, ausladende Dach. Von diesem Keil stammt auch der Routenname. Die steile und anstrengende, aber prächtige Kletterei erstreckt sich über die ganzen zwei ersten Längen. Von dort folgt die Route der logischen Linie entlang der Pfeilerkante. Nach weiteren drei Längen gelangt man ans Top, wo man entweder abseilt oder über steile Grasbänder auf die Obere Fründschnuer aussteigt (Zackenschlingen mitnehmen). Die oberen drei Längen können aber punkto Schönheit und Schwierigkeit mit den beiden ersten Längen nicht ganz mithalten.
Material:
Express
Camalots Grössen 0.5, 1, 2
2x50m Seile (besser 2x60m, dann kann beim Abseilen der Stand von SL1 übersprungen werden)

Topo Fin
Bilder Erstbegehung
Bilder zur Route (2. Teil des Albums)


Plan B
Peter von Känel, Sommer 2010
Die Kletterei entlang dieser kühnen, ausgesetzten Linie ist oft athletisch, weist aber auch einige technisch interessante Passagen auf. Die Felsqualität ist - abgesehen von einigen kurzen, leicht brüchigen und etwas staubigen Passagen - meist sehr gut. Bezügich Schwierigkeit und psychischer Anforderungen ist die Route einen Tick anspruchsvoller als die KIK. Die Absicherung kann bei Bedarf in der 2. Länge mit einem kleinen Keil und in der 5. Länge mit einer SU und einem Camalot Grösse 0.4 ergänzt werden.
Die Route trocknet nach Regen innert Stunden ab. Bei Dauerregen entsteht allerdings in der 1. Seillänge ein Wasserstreifen. Die Seillänge bleibt kletterbar, aber die Querung des Streifens wird zur kleinen Herausforderung.
Eine schnelle Seilschaft klettert die Route in knapp 4 Stunden. Das Abseilen geht mit 2x55m Seilen rasch und problemlos. Daher kann man an den langen Sommertagen auch noch gegen Abend einsteigen.

Topo Plan B
Bilder zur Route
Bilder zur Route (Winterbegehung)


Handicap 6
Ralf Weber, Elmar Zimmermann 2009/2010
Die Route führt oft entlang von Rissen und Schuppen. Die schöne Kletterei in meist kompaktem Fels ist sehr abwechslungsreich. In den Rissen und Verschneidungen findet man viele Rastpunkte. So ist die Route weniger anhaltend und "pumpig" als z.B. Blaues Wunder gleich nebenan. Ein paar Stellen sind aber echt knackig und die sehr schöne Schlüssellänge ist deutlich schwerer als die restliche Route. Camalots (0.4-2) kommen rege zum Einsatz.
Bewertung: 6b, 6a+, 7b(?), 6c+, 7c, 7a. Cams 0.5-3. Die Route ist eingerichtet zum Abseilen. Routenverlauf siehe Blaues Wunder.

Routenverlauf Blaues Wunder (links) und Handicap 6 (rechts)
Bilder zur Route


Blaues Wunder
Peter von Känel (1. RP), Bernd Rathmayr, Sommer 2010
Abwechslungsreiche, anspruchsvolle Route durch eine steile Wandzone. Die 6 Seillängen sind meist griffig und kompakt, es hat aber auch ein paar leicht brüchige Passagen. Die Ambiente ist "grosses Kino" und es lohnt sich, den Fotoapparat mitzunehmen. Provisorische Schwierigkeitsbewertung: 7a+, 6c, 6c+, 7b+, 7b+, 6c+. Obligatorisch zu klettern: 7a.
Material: Camalot 0.5, 12 Express-Schlingen, 2x60m Seile.
Die Route ist eingerichtet zum Abseilen, vom 4. Stand auf Platte abseilen und nach rechts in Handicap 6 wechseln.

Routenverlauf Blaues Wunder (links) und Handicap 6 (rechts)
Bilder von der Erstbegehung
Bilder von der ersten Rotpunktbegehung

Routenbeschrieb (Onsight-Aspiranten dürfen hier nicht weiterlesen :-)
1. SL (7a+, 40m)
Auf einen etwas boulderigen Einstieg folgt eine Querung nach rechts oben zur Kante. Danach folgt eine leichtere Passage, bevor sich die Länge nochmals aufsteilt. Zuerst etwas brüchig, mündet die zunehmend kompakte Kletterei unter dem Stand schliesslich in eine plattige Einzelstelle.
2. SL (6c, 45m)
Hübsche Plattenkletterei in gutem Fels. In der markanten Schuppe kann ein 0.5 Camalot gelegt werden.
3. SL (6c+, 35m)
Nach dem Stand tief nach rechts queren. Anschliessend schöne Kletterei in rötlichem, wasserzerfressenem Kalk. Ab der Mitte wird steilt sich die Länge auf und wird leicht brüchig. Unter dem Stand muss ein kleines Dach überwunden werden. Dieses linkshaltend anklettern, den letzten BH klinken und rechtshaltend rauf zum Stand.
4. SL (7b+, 30m)
Vom Stand weg tief nach links zur vertikalen Kante queren. Anschliessend an schrägen Auflegern hocharbeiten. Rechtshaltend an besser werdenden Griffen unter das Dach und weiter an einen schön grossen, positiven Griff. Über die griffige Dachkante und von dort alles rechtshaltend und leichter zum Stand.
5. SL (7b+, 45m)
Vom Stand weg in schwieriger Kletterei zum 2. BH. Die (bisher einzig bekannte) Lösung liegt in einem Seitengriff rechts, hoch anstehen und links in eine Seiten-Untergriffzange. Danach geht's etwas leichter, aber immer noch anhaltend weiter. Unter dem Stand wartet schliesslich die vielleicht schwerste Einzelstelle der Route. Zwei unscheinbare, positive Leisten sind entscheidend: Eine befindet sich rechts vom letzten BH in der seichten Verschneidung, die andere ist links schräg über dem letzten BH. Von dort rechtshaltend zum Stand klettern.
6. SH (6c+, 30m)
Vom Stand in etwas kniffliger Wandkletterei zum ersten BH. Linkshaltend in schöner Kletterei zum Top.
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